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Hazaras könnten eine Schlüsselrolle bei den afghanischenWahlen spielen
Karzai lockt, lange Zeit unterdrückte Minderheit
Übersetzt aus dem Englischen von Ahmad Scherzad
Original:
Pamela Constable,
Washington Post Foreign Service
July 2009
Kabul, Afghanistan, 25. Juli – Über Generationen besetzten
Afghanistans ethnische Minderheit, die Hazara die ärmlichste Nische im
komplexen afghanischen Völkermosaik. Das politische Machtgefüge wurde von den
großen paschtunischen Stämmen im Süden und von den etwas weniger zahlreichen
Tajiks im Norden dominiert.
Im Laufe einiger geschichtlicher
Epochen, wurden die schiitischen Hazara von ihren Ländereien vertrieben und in
Kämpfen von ethnischer und religiöser „Säuberung“ abgeschlachtet. In der
jüngeren Vergangenheit, waren sie oft gezwungen niedere Tätigkeiten als
Karrenzieher oder als Hausdiener auszuüben. Der missbrauchte Junge aus dem
Roman und dem gleichnamigen Film „Drachenläufer“, welcher hierzulande reichlich
Diskussionen auslöste, stammt aus einer Familie von Hazara Dienern.
Aber heute sind die Hazara
bereit, eine entscheidende Rolle bei den, am 20. August stattfindenden
Präsidentschafts- und Landtagswahlen zu spielen. Dieses Volk hat einen
populären Präsidentschaftskandidaten hervorgebracht, den parteilosen Ramazan
Bashardost, welcher ein ziemlich aussichtsloser Kandidat ist, aber das Land
unermüdlich bereist hatte, um seine Botschaft einer Regierungsreform und
sozialer Gerechtigkeit zu verbreiten.
Unterdessen umwerben Präsident
Hamid Karzai, ein ethnischer Paschtun, der seine Wiederwahl anstrebt und seine
aussichtsreicheren Herausforderer, den Hazara Wähler. Das Volk macht mehr als
20 % der Wählerschaft des Landes aus und konnte
eine hohe Zahl an Wählerregistrierungen und Wahlbeteiligung bei den
letzten Präsidentschaftswahlen im Jahre 2004, verzeichnen.
„Wir sind zu Königsmachern
geworden,“ sagte Mohammed Mohaqeq, ein Anführer der Hauptpartei der Hazara,
Wahdat-e-Islami, welcher, Karzai Unterstützung versprach, sollte dieser im
Gegenzug dafür sorgen, dass den Hazara, Kontrolle über einige Minsterien und
möglicherweise über eine neu gebildete Provinz, zugesprochen wird. „ Ich kann
nicht gewählt werden, weil mich meine paschtunischen Brüder wohl nicht
unterstützen würden, aber unsere Leute können den großen Unterschied machen, in
der Entscheidung über den Sieger,“ sagte er.
Mohaqeq hatte in verschiedenen
Provinzen für Hamid Karzai Wahlkampf geführt, welcher im Vorfeld der Wahlen, in
der Öffentlichkeit größtenteils unsichtbar blieb. Mohaqeqs Partei hat eine
Armee aus Wahlkampfhelfern aufgebaut und schaffte es 14 Ausgewählte auf die
Kandidatenlisten für das Oberhaus des Parlaments und für den Landtag zu setzen.
Zu diesen Kandidaten gehört auch ein junger Mann, dessen Poster einen alten,
mit Gütern beladenen Hazara Karren verzieren.
Karzai, dessen zweiter
Vize-Präsidentschaftskandidat ein Hazara ist, bemühte sich im März konservative
Hazara Anführer zu besänftigen, indem er ein umstrittenes schiitisches
Familien-Gesetz genehmigte. Dies empörte Menschenrechtsorganisatio-
nen, da dieses die Hazara Frauen
unter die absolute Kontrolle und zur Unterwerfung durch ihre Väter und
Ehemänner brachte.
Dennoch hat die politische
Emanzipation von Afghanistans Hazaras, deren Kinder in Scharen zu den
Universitäten und Bürojobs strömen, eine politische Kluft gebildet in einer
Gesellschaft, welche lange Zeit im Gleichschritt hinter der Volksmiliz oder
religiösen Anführen wie Mohaqeq, um des Überlebens willen hinterher
marschierte.
Viele ältere oder weniger
gebildete Hazaras bekennen immer noch starke Loyalität zu solchen Anführern und
sagen, dass sie vorhaben deren politischen Anweisungen am Wahltag zu befolgen.
Aber viele andere, darunter Studenten und ehemalige Flüchtlinge, welche nach
Jahren im Iran, zurückgekehrt sind, sagten, sie würden ihre politische
Unabhängigkeit wertschätzen.
„Ich bin Hazara , aber wir haben
nun Rechte und niemand kann mir diktieren wie ich zu wählen habe,“ sagte
Farahmuz, 33, ein Arbeiter, der jeden Morgen gemeinsam mit Dutzenden anderen
Männern an einem Verkehrskreisel wartet, in der Hoffnung ein paar Stunden
Arbeit zu ergattern.“Ich will nicht, dass ethnische Probleme in diese Wahlen
einfließen, weil sie das Land erneut zerstören könnten ,“ sagte er.
Viele Hazaras sagen, dass deren
gefühlvoller Favorit für den Amt des Präsidenten der 44-jährige Bashardost ist,
ein reformistischer Abgeordneter und früherer Minister für Bauwesen und
Städtebau, dessen Büro sich in einem Zelt, gegenüber der Straße des Parlaments
befindet. Er führte seinen Wahlkampf meistens auf die gleiche Art und Weise,
indem er oft die, von der Regierung bereitgestellten Flugzeuge bestieg, um weit
entfernt gelegene Provinzen erreichen zu können und um dort in Parks und auf
Marktplätzen mit den Leuten in Kontakt zu kommen.
„Ich mag Herrn Bashardost, weil
er unsere Problem versteht,“ sagte Jawad, 25, ein Bewohner aus Kabul, welcher im Exil in Iran
aufwuchs und nun seine ältlichen Eltern als Bauarbeiter unterstützt. „Er führt
seinen Wahlkampf nicht in Luxusautos wie die anderen. Er kam zu Fuß zum
Shar-i-Nau Park und saß da in einem Zelt und hörte den Leuten zu.“
Bei einem Anruf auf sein
Mobiltelefon, samstags in einer lärmenden Einkaufshalle in Khost, sagte
Bashardost, er hätte „eine große Kluft zwischen den gewöhnlichen Menschen und
den Politikern in Kabul“ erfahren müssen, „Ich bin sicher, dass wir am 20.
August, Zeuge einer Revolution sein werden.“ Außerdem sagte er, er hätte
erstaunlich viel Unterstützung von Paschtunen, sowohl aus Afghanistan, als auch
aus dem Ausland erhalten.
„Das ist etwas ganz neues für
Afghanistan,“ sagte er.
Als eine ethnische Minderheit,
welche lange Zeit wirtschaftliche Ausbeutung und soziale Unterdrückung erfahren
musste, scheinen besonders die Hazaras einen Vorteil von der politischen
Freiheit zu ziehen, welche seit dem Fall der extremistischen Taliban
Herrschaft, Ende 2001, geboten ist.
In einem neuen, privaten
schiitischen College in Kabul sagen Lehrer und Schüler, dass die Wahlen,
unabhängig davon wer gewinnt, wichtig für ihre Gesellschaft seien, weil sie
einen Schritt in Richtung moderner, demokratischer Methoden darstellen, welches
helfen kann afghanische Traditionen von ethnischem Konkurrenzkampf zu
beseitigen.
„Wir müssen die Werte und
Methoden der Demokratie weiterentwickeln,“ sagte Amin Ahmadi, der Direktor des
Colleges. „Leider spielen ethnische Probleme immer noch eine große Rolle in
unserem Land und die Menschen vertrauen den Anführern der anderen ethnischen
Gruppen nicht. Aber wenn wir faire, transparente und friedliche Wahlen haben
können, wird das von größerer Bedeutung sein, als die Frage, ob wir einen guten
oder einen schlechten Präsidenten haben.“
In West Kabul, dem
heruntergekommenen aber geschäftigem Herz der Hauptstadt der Hazara
Gesellschaft, ist jede öffentliche Fläche mit Wahlkampf-Postern tapeziert.
Dennoch sagen viele Karrenzieher,
Mechaniker und andere Arbeiter, dass sie die Nase voll haben von staatlicher,
als auch von ethnischer Politik. Sie sagen, dass ihre Gesellschaft unter weit
verbreiteter Arbeitslosigkeit und Armut leidet, dass aber niemand von der
Regierung etwas getan hätte, um zu helfen.
„Wir sind nicht zufrieden mit
unserer Regierung und wir sind nicht zufrieden mit unseren Anführern,“ sagt
Imam Ali Rahmat, 61, der Feuerholz verkauft. „Für die, bestehen wir doch nur
aus Dreck und Staub . Für uns, bestehen die nur aus falschen Versprechungen.
Wir brauchen Veränderungen und wir brauchen neue Anführer, weil wir vom Weg
abgekommen sind.“
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